Mittwoch, 18. Januar 2017

Die Zeit tickt anders im Winter

Der Wecker klingelt...

The lights go out and I can't be saved
Tides that I tried to swim against
Have brought me down upon my knees
Oh I beg, I beg and plead, singing...


Chris Martin dringt an das Ohr. Die Augen gehen auf. Das einzige Licht scheint vom Handy. Das Bett ist nicht zu fühlen. Die Füße treffen auf den Boden und bewegen sich Richtung Kaffee. Die Gefühle gehen gegen Null. Hauptsache: Zigarette.


Der Blick vom Balkon: der Himmel ist schwarz, die Erde ist grau. Die Nachrichten des vergangenen Abends sind egal. Der Kopf formuliert keine Antworten.

"Was ist eigentlich Dein Problem?"
"Es gibt keins", gibt der Kopf zur Antwort.
"Hör auf. Ich sehe doch, dass hier nichts richtig ist."
"Das liegt aber an Dir und nicht an mir."
"Na toll. Danke für NICHTS."

Ein neuer Tag beginnt. Komisch - er fühlt sich an wie der alte. Und der davor. Und... Die Tage reihen sich aneinander wie Perlen an einer Kette. Eine so grau wie die andere. Und irgendwann kommt man mit dem Zählen durcheinander.

Die to-do-Liste des Tages wird erstellt.

- Einkaufen.
- Lächeln (auch wenn es die Augen nicht erreicht).
- Funktionieren.


Mutter. Sozialarbeiterin. Hausfrau. Mutter. Sozial... Moment. Da ... war noch etwas. Aber was? So etwas wie ein ICH. Wo ist es hin? Das Grau wird einen kurzen Moment aufgewühlt. Doch es reicht nicht aus, um an die Antworten zu kommen. Erinnerungen wabern einen kurzen Moment an die Oberfläche. Dann verschwinden sie wieder. Was bleibt, ist ein taubes Gefühl. Ein Nichts. 


Ein neuer Tag beginnt. Komisch - er fühlt sich an wie der alte. Und der davor. Und... Moment. Die Abstinenz von Farbe erinnert daran, dass diese Zeitschleife real ist. Jede Minute fühlt sich an wie zwei. Ein Tag ist unerträglich lang.

"Was auch immer Du tust, es ist nie genug. - Du kriegst es doch eh nicht hin. - Du bist es nicht wert..." versus "Lächel doch mal, morgen sieht die Welt schon ganz anders aus. - Dir geht es doch gut, Du hast ein gesundes Kind und einen Job und... - So schlimm ist das alles gar nicht, sieh nur, was Du schon alles geschafft hast." Es gibt Dinge, die man nicht sehen kann.


Die Zeit tickt anders im Winter. Manchmal verliert man den Blick für das Gute. Doch dann gibt es Augenblicke, die durch das Schwarz hindurchblitzen. Da war doch was...?


Neulich drang es abends an mein Ohr... auf verschneiter Straße, klar und hell. Es kam aus dem Nichts und war voller Staunen.

"Mama, die Zweige sehen so aus, als würden sie nur für uns Licht machen!"

Da war es... das Licht. Statt Schwarz und Grau. Und morgen singt Chris Martin wieder...


Schnitt
 BeeAutiful von BeeKiddi

Material
Außen: Schwerer Wollstoff vom Stoffmarkt
Innen: Futterstoff "Venezia" von Swafing
Knöpfe: vom Stoffmarkt
Silberne Paspel von Kulleraugen

Kommentare:

  1. Das ist ein sehr schöner Mantel geworden. Auch die Stoffkombi... so richtig kuschelig.
    LG Jara

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    1. Dankeschön. Ich liebe ihn auch; bei den Temperaturen wird er jeden Tag getragen

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  2. Das Kind ist das hellste Licht und siehe da: es kam aus dir! Mach dir das immer bewusst! Drück dich!
    Ein toller Mantel, wunderschöne Bilder!
    Bussi, kathrin

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    1. Ja, das war ein Augenblick voller Licht. Ich danke Dir und drücke Dich zurück!

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  3. Der Mantel in Verbindung mit der Poesie aus Deinem Post erscheinen mir wie ein Gesamtkunstwerk. Vielen Dank dafür und liebe Grüße
    von Inken

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    1. Hab vielen lieben Dank für Deine Worte. Die Näh-Welt ist nicht immer tralala-bunt. In diesen Momenten haben auch dunkle Bilder ihre Daseinsberechtigung.

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